Vorbereitung mit unterschiedlichen Methoden

Fußball ist heutzutage eine hochprofessionelle Angelegenheit, bei der die Vorbereitung nicht nur von Trainern sondern auch von Wissenschaftlern geplant und manchmal mit interessanten Methoden praktiziert wird.

Dabei können schon Kleinigkeiten sehr viel ausmachen, und so haben sich einige Teams entschieden, neue Wege zu beschreiten, wenn es darum geht, die Fitness, die eigenen Fertigkeiten, die Geschlossenheit auf dem Platz und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu verbessern.

Während sich die Saisonvorbereitung der Mannschaften in Europa dem Ende zuneigt und die nationalen Ligen kurz davor stehen, ihren Spielbetrieb wieder aufzunehmen, hat FIFA.com in den Archiven einige unorthodoxe Methoden gefunden, die in der Vorbereitung zum Einsatz kamen.

Die “Reds” im Schlaraffenland
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm der englische Fussball bereits 1946 wieder seinen Spielbetrieb auf. Die erste Saison nach dem Krieg sollte eine der faszinierendsten und kräftezehrendsten Spielzeiten sein, die die Fans jemals verfolgen konnten.

Miserable Wetterbedingungen im Winter sorgten immer wieder für Spielabsagen, und so endete die Saison erst im Juni 1947, als der FC Liverpool seinen fünften Titel mit einem Zähler Vorsprung vor Manchester United und den Wolverhampton Wanderers holte. Der Triumph der Reds war nicht zuletzt auch auf ihre überlegene Kondition zurückzuführen.

In der Tat hatte die körperliche Fitness der Spieler ein Jahr zuvor bei einer Rundreise durch die USA eine besondere Förderung erfahren. Auf Vorschlag des Vorsitzenden W.H. McConnell überquerten Trainer George Kay und seine Spieler den Atlantik und unternahmen eine Rundreise mit zehn Partien durch die USA und Kanada.

Kays Spieler waren nicht zu bremsen, gewannen jedes Spiel und erzielten dabei nicht weniger als 70 Tore. Was jedoch einen besonderen Eindruck beim Team hinterließ, war die stetige Verfügbarkeit von Getränken und Speisen. Die Mannschaft schwelgte in Genüssen, die es in der Heimat aufgrund der Lebensmittelrationierung einfach nicht gab. So sagte einer der Spieler über diese Reise: “Wir haben eigentlich die ganze Zeit nur gegessen!”

The New York Times schrieb, dass “jeder Spieler des Teams im Schnitt über drei Kilo Körpergewicht zugelegt hat”. Kay konnte das begeistert bestätigen: “Man konnte in den Restaurants einfach alles bestellen, was einem in den Sinn kam”, erzählte er. “Natürlich haben wir jede sich bietende Gelegenheit genutzt.”

HSV: Vier Tage in den Wäldern
Der Hamburger SV hat sich für eine besonders unorthodoxe Methode entschieden, um sein Team vor der bevorstehenden Bundesliga-Saison zusammenzuschweißen. So reisten der Trainerstab und die Spieler des Vereins nach Schweden, um dort ihre Survival-Fähigkeiten in der skandinavischen Natur auf die Probe zu stellen.

Thorsten Fink und sein Team mussten vier Tage lang auf jeden gewohnten Luxus verzichten und ohne Zugang zu grundlegenden Annehmlichkeiten zusammenarbeiten. Mobiltelefone wurden vor dem Ausflug in die Wildnis konfisziert und die Gruppe blieb ohne fließendes Wasser und Strom. Feste Unterkünfte gab es auch keine, ebensowenig wie sanitäre Einrichtungen.

Die Verteidiger waren dafür verantwortlich, Nahrungsmittel für ihre Mannschaftskameraden zu beschaffen und zuzubereiten, die Mittelfeldspieler waren für den Wohnbereich zuständig, der lediglich aus Zelten bestand, die in Form der Raute des Vereinswappens angeordnet waren, während die Stürmer Holz schlugen und die Feuer anzünden mussten.

Spielführer Heiko Westermann schrieb anschließend auf der Webseite des Vereins: “Ich glaube, dass wir auf diesem Trip ein Wechselbad der Gefühle durchlebt haben: Wut, Spaß und Erschöpfung. Ich würde das nicht jede Woche machen wollen, aber es war auf jeden Fall eine lehrreiche Erfahrung. Wir haben als Gruppe gut funktioniert, wobei jeder seine Stärken eingebracht hat. Insgesamt war es ein Erfolg.”

“Barça” legte Grundstein für Erfolg in Schottland
Wenn ein am Sport interessierter Mensch den Namen “St. Andrews” hört, wird er zunächst an Golf denken, denn die im Osten Schottlands gelegene Stadt, in der auch eine der angesehensten Universitäten Großbritanniens ihren Sitz hat, gilt aufgrund seines historischen Kurses und des Golfvereins als ein heiliger Ort im Golfsport.

Die Stadt kann sich jedoch auch rühmen, eine grundlegende Rolle in einer der größten Erfolgsgeschichten des Fussballs gespielt zu haben. Nachdem man sich bereits vom wärmeren spanischen Klima verabschiedet und sich für die Vorbereitung auf die Saison 2007 einschließlich zweier Freundschaftsspiele in St. Andrews entschieden hatte, beschloss der FC Barcelona, ein Jahr später erneut nach Schottland zu reisen.

Dieser zweite Besuch bot Trainer Pep Guardiola die Gelegenheit, sich mit seinem neuen Team vertraut zu machen, nachdem er kurz zuvor das Amt vom Niederländer Frank Rijkaard übernommen hatte.

Der ehemalige Mittelfeldspieler von Barça ergriff die Gelegenheit beim Schopf und führte in Schottland neuartige und anspruchsvolle Methoden ein, die seinen neuen Schützlingen alles abverlangten. Am Ende der Saison hatten die Katalanen das begehrte Triple aus dem Gewinn der Liga, der UEFA Champions League und der Copa del Rey geholt und den Grundstein für eine neue Fussballdynastie gelegt.

Kollektive Anforderungen in China VR
Die Saisonvorbereitung lag in China lange Jahre in der Hand der einzelnen Vereine, die diese nach den eigenen Bedürfnissen und Mitteln ausrichteten. Als jedoch 1994 die chinesische Profiliga eingeführt wurde, legte der chinesische Fussballverband ein kollektives Modell fest, um die Fitness der Spieler der gesamten Liga zu verbessern.

Im Winter und Frühling musste jeder Mitgliedsverein der neuen Liga eine Reise nach Kunming und auf die Insel Hainan unternehmen, wo man unter warmen Bedingungen trainieren konnte. Am Ende jedes Trainingslagers mussten die Spieler ihre Fitness und Eignung bei zwei Laufprüfungen unter Beweis stellen.

Vor Beginn der Saison 2012 im März dieses Jahres wandte sich der chinesische Super-League-Verein Shandong Luneng bei seiner Vorbereitung auf die neue Spielzeit an höhere Mächte. So bezwang der gesamte Kader den nahe gelegenen, knapp 1.700 Meter hohen Mount Tai, der in China als heilige Stätte gilt, und betete darum, in der kommenden Saison ebenfalls den Gipfel zu erklimmen.

 

Quelle: FIFA.com