Fußballer und die Bedeutung der Tattoos

Obwohl noch immer darüber diskutiert wird, wann und wo die Praxis des Tätowierens ins Leben gerufen wurde, kommt dem Tattoo seit jeher eine große Bedeutung zu. Daran gab es eigentlich nie einen Zweifel, auch in der heutigen Zeit nicht, in der das Tätowieren zu einer Kunstform avanciert ist. Da es eine Vielzahl von Fussballern gibt, die solche Kunstwerke zur Schau stellen, nimmt FIFA.com sich etwas Zeit, um dieses Phänomen näher zu beleuchten.

Von Worten bis hin zur Religion
“Sich tätowieren zu lassen ist eine Form, Geschichten zu erzählen. Früher verwendete man dazu Tinte und Papier, heute ziehen viele ihre Haut vor”, berichtet der argentinische Tätowierer Leonardo Miralles, der sich bei den in Spanien unter Vertrag stehenden Fussballern großer Beliebtheit erfreut und dem Fernando Torres in seiner Wohnung in England ein Studio eingerichtet hat.

Ein gutes Beispiel ist der italienische Torhüter Federico Marchetti, der sich, nachdem er 2005 wie durch ein Wunder einen schweren Autounfall überlebt hatte, beide Arme tätowieren ließ. Auf den rechten Arm ließ er sich das Gebet “Ave Maria” stechen, da Maria ihm eigenen Angaben zufolge erschienen war, als er auf die Rettung wartete. Auf dem linken Arm prangt eine Erinnerung an seine Freunde, die ums Leben kamen: “Andrea und Francy für immer bei mir”.

Religiöse Motive sind übrigens bei vielen Fussballern recht beliebt. David Beckham, der die Tattoos nach Ansicht vieler Leute im Fussballumfeld populär gemacht hat, ist einer davon. Zu dem Jesusbild, das er sich seitlich im Hüftbereich tätowieren ließ, kommen noch zwei Engel. Einer bedeckt fast seinen gesamten rechten Arm und ein weiterer wurde auf den Rücken tätowiert, Letzterer wurde nachträglich mit Flügeln versehen. Ob er sich dazu wohl entschieden hat, nachdem er die spektakulären geflügelten Motive des Franzosen Djibril Cissé oder des Iren Stephen Ireland gesehen hatte?

Das Antlitz Christi ließen sich unter anderem sehr gläubige Spieler wie der Argentinier Ezequiel Lavezzi und der Paraguayer Salvador Cabañas stechen, während das Motiv des gekreuzigten Christus auf dem Torso des Brasilianers Naldo und des Serben Ivica Dragutinović zu sehen ist. Dem Deutschen Robert Huth, dem Iren Robbie Keane und den belgischen Torhüter Logan Bailly gefällt das Kreuz hingegen als rein dekoratives Element. In dieser Kategorie kann jedoch kaum jemand mit Guti mithalten, der seinen gesamten linken Arm mit einem Gemälde aus der Sixtinischen Kapelle verziert hat!

Zu Ehren von…
Welche Tätowierungen bevorzugen Fussballer in der Regel? “Am Gefragtesten sind Portraits der Kinder oder Ehefrauen, oder die Namen von Familienmitgliedern”, erklärt Patricio Hinojosa, der für die Tätowierungen diverser chilenischer Spieler verantwortlich ist. Unter anderem ließ sich Arturo Vidal von ihm ein Portrait seiner Mutter tätowieren. Der Brasilianer Dani Alves hat sich die rechte Schulter mit dem Portrait seiner Frau verzieren lassen, auf den Unterarmen prangen die Namen seiner Kinder. Diese Motive finden sich bei vielen Fussballern an unterschiedlichen Stellen des Körpers wieder. Nur wenige haben sich allerdings das Antlitz ihrer Lieben auf den Bauch tätowieren lassen wie der Peruaner Paolo Guerrero.

Sergio Ramos zog es vor, sich die Initialen seines Bruders und seiner Schwester ganz subtil auf den Mittelfinger der linken Hand tätowieren zu lassen – vielleicht aus Platzgründen? Der Australier Tim Cahill ließ sich hingegen seine Lebenslinie auf den gesamten rechten Arm zeichnen. Sie zeigt seine Großeltern, seine direkten Familienangehörigen sowie die Vereine, für die er im Laufe seiner Karriere gespielt hat, und weist ein Muster aus der samoanischen Kultur auf. “Ich habe noch etwas Platz für das gelassen, was die Zukunft bringen mag”, erklärt er auf seiner Website.

Viele Spieler entscheiden sich auch für die Tätowierung des eigenen Namens. Der Chilene Marco Estrada ließ sich die linke Schulter beispielsweise mit seinem Familiennamen in Kursivschrift verzieren, während der Spanier José Fernando Marques sich den Zunamen lieber auf den Unterarm tätowieren ließ. Sein Landsmann Fernando Torres und der Argentinier Sergio Kun Agüero, waren da etwas origineller. Auch sie entschieden sich für eine Tätowierung ihres Namens, allerdings auf Elbisch, mit den Zeichen des Tengwar-Schriftsystems, das J. R. R. Tolkien in seinem berühmten Werk Der Herr der Ringe erfand.

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt
Auch Zahlen und Daten erfreuen sich großer Beliebtheit. Gerüchte besagen, der Mexikaner Jesús Arellano habe bei einem Training zuerst die “2” und dann die “8” von seiner Hose verloren und habe sich deshalb die “28” auf die Schulter tätowieren lassen. Die bereits erwähnten Torres und Ramos haben sich hingegen entschieden, sich Daten tätowieren zu lassen, die für sie eine sentimentale Bedeutung haben: Bei Ersterem ist es das Datum, an dem er seine Partnerin zum ersten Mal geküsst hat, Letzterer wollte lieber an die Opfer der Attentate in New York und Madrid erinnern.

Der italienische Verteidiger Marco Materazzi, der zu den am stärksten tätowierten Spielern zählt, ließ sich nicht nur Datum und Ort des bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006 errungenen Titels auf der Haut verewigen, sondern verzierte seinen linken Oberschenkel auch noch mit dem Abbild des WM-Pokals. Ein Bild des Pokals ließ er sich auch nach dem Gewinn der UEFA Champions League tätowieren – auf dem rechten Schienbein war noch Platz. “Ich habe noch Platz für weitere Pokale, jetzt muss ich sie nur noch gewinnen”, pflegt er gut gelaunt zu sagen.

Andere bringen mit einer Tätowierung die Liebe zu ihrem Heimatland zum Ausdruck. Wayne Rooney trägt die englische Flagge auf der rechten Schulter, Kevin-Prince Boateng geht sogar noch weiter. Auf seinem Bizeps prangt eine Darstellung Ghanas innerhalb des afrikanischen Kontinents. Der Iraker Yunes Mahmud trägt eine Kombination aus einer Karte seines Landes und der Nationalflagge auf der Haut.

Einige bringen über ihre Tätowierungen auch ihren Charakter zum Ausdruck. Besonders auffällig sind die römischen Krieger von Francesco Totti und Víctor Valdes, der Samurai von Fabio Cannavaro und der Wikinger von Daniel Agger. Der Däne ist geprüfter Tätowierer und hatte dem Team des FC Liverpool ein gemeinschaftliches Tattoo versprochen, falls man die Premier League 2009 gewinnen würde. Daraus sollte leider nichts werden.

Die Sternzeichen sind ebenfalls eine Quelle der Inspiration, das gilt insbesondere für das Sternzeichen Skorpion. Für ihre Skorpion-Tätowierungen bekannt sind der bereits genannte Valdes, Jermaine Jones, Martín Palermo sowie der Kroate Boris Zivkovic, der seinem Sternzeichen als markantes Detail noch einen Ball hinzufügte. Die Skorpion-Tätowierung von Javier Saviola hat hingegen einen sportlichen Hintergrund. Schließlich ist sein Spitzname Conejo (das Kaninchen) und sein Sternzeichen Schütze.

Der Chilene Gary Medel hat sich in Anlehnung an seinen Spitznamen einen Pitbull-Terrier tätowieren lassen, der Portugiese Petit hört zwar auf denselben Spitznamen, ob er allerdings auch über ein solches Tattoo verfügt, entzieht sich unserer Kenntnis. Bei den Raubkatzen-Tätowierungen erfreut sich der Panther großer Beliebtheit, wie man beispielsweise bei Humberto Suazo, Cicinho und Freddie Ljungberg sehen kann. Allerdings sind auch Leoparden (David Odonkor) und Löwen (Elson Falcão da Silva) im Angebot. Bei chinesischen Fussballern stehen andere Tiere höher im Kurs: Chen Tao kann mit einem Adler aufwarten und Han Duan mit einem Delfin…

Allerdings können Tätowierungen bisweilen auch peinliche Situationen heraufbeschwören, so geschehen beispielsweise im Fall des Niederländers Andy van der Meyde, einem ehemaligen Nachwuchstalent von Ajax Amsterdam. Er war sich so sicher, dass seine Zukunft bei diesem Verein liegen würde, dass er sich den Namen am Bein verewigen ließ. Wer hätte schon geahnt, dass er einige Jahre später einen Vertrag beim Erzrivalen PSV Eindhoven unterschreiben würde?

 

Quelle: FIFA.com